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Hoffnungsträger Immunforschung – eine Perspektive für den verwundbaren Menschen?

Ein interdisziplinäres Gespräch über die menschliche Verletzbarkeit als existenzielle Erfahrung

Wie kann Grundlagenforschung in der Immunologie dazu beitragen, Lösungen für akute Probleme zu finden? Und was haben wir aus der Pandemie über uns selbst und unsere Verletzlichkeit gelernt? Ist die menschliche Verwundbarkeit eine notwendige existenzielle Erfahrung? Und kann die Wissenschaft einen Weg aufzeigen, wie man mit dieser Verletzlichkeit umgehen kann?

Diese und andere Fragen diskutierten der diesjährige Heinrich-Wieland-Preisträger Professor Thomas Boehm und der Philosoph Professor Markus Gabriel. Moderiert wurde die Veranstaltung von Andrea Thilo.

Das virtuelle Gespräch fand im Rahmen der Berlin Science Week statt und wurde von der Boehringer Ingelheim Stiftung organisiert.

2. November 2021: 16 bis 17 Uhr

Im Gespräch stellte der Mediziner Thomas Boehm, Heinrich-Wieland-Preisträger 2021, seine bahnbrechende Forschung zur Evolution des Immunsystems in Wirbeltieren vor. Anschließend führte Moderatorin Andrea Thilo durch die Diskussion mit Thomas Boehm und dem Philosophen Markus Gabriel.

Panelists

Der Mediziner Thomas Boehm ist Wissenschaftliches Mitglied und Direktor am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg. Er erforscht die genetischen Grundlagen und die Entwicklung des Immunsystems während der Evolution.

Er entdeckte einen Schlüsselregulator im Thymus, der die Entwicklung der sogenannten T-Zellen steuert. Als Teil des adaptiven Immunsystems erkennen T-Zellen körperfremde Strukturen und sind somit essenziell für die Abwehr von Infektionen. Anhand verschiedenster Modellorganismen deckte Thomas Boehm grundlegende Konstruktionsprinzipien des adaptiven Immunsystems auf und konnte zurückverfolgen, wie sich die genetische Steuerung der T-Zellentwicklung über die Evolution hinweg veränderte. Er spürte einen unerwarteten Mechanismus auf, der bei Tieren die Erkennung von Selbst und Nicht-Selbst durch das Immunsystem mit der Steuerung der Partnerwahl durch den Geruchssinn verknüpft. Seine jüngste Entdeckung von Wirbeltierarten ohne adaptive Immunität durchbricht ein zentrales Paradigma der Immunologie.

Für seine bahnbrechenden Beiträge zum Verständnis der Evolution des Immunsystems in Wirbeltieren wurde Thomas Boehm mit dem Heinrich-Wieland-Preis 2021 ausgezeichnet.

Der Philosoph Markus Gabriel ist einer der weltweit bekanntesten Vertreter eines neuen Realismus in der Philosophie, was ein wesentlicher Baustein seines Projekts einer Neuen Aufklärung ist. Mit nur 29 Jahren wurde er zum jüngsten Philosophieprofessor Deutschlands berufen. Seit 2009 hat der den Lehrstuhl für Erkenntnistheorie und Philosophie der Neuzeit an der Universität Bonn inne und ist Direktor des Internationalen Zentrums für Philosophie. Er ist zudem Direktor des Center for Science and Thought, mit dem er sich um einen interdisziplinären Austausch von Philosophie und Naturwissenschaften bemüht, um produktive und nachhaltige Lösungen zu virulenten Fragestellungen unserer Gegenwart zu finden. Er war zu Gastprofessuren in Brasilien, Dänemark, Frankreich, Italien, Japan, Portugal und den USA.

Andrea Thilo studierte Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Berliner Hochschule der Künste (UdK), volontierte beim Norddeutschen Rundfunk und arbeitete als On-Air-Reporterin und Redakteurin für NDR und ARD, zwei Jahre als Moderatorin für liebe sünde (Pro 7) und als Freelance-on-air-Reporterin für BBC1.

Seit 1998 ist Andrea Thilo als freischaffende Journalistin und Dokumentarfilmproduzentin aktiv und war 12 Jahre lang Unternehmerin in Berlin, nachdem sie 1999 mit ihren Partnern Thomas Grube und Uwe Dierks die Filmproduktionsfirma BOOMTOWNMEDIA GmbH & CoKG in Berlin gründet. Im Jahr 2005 erhalten Thilo, Grube & Dierks den Deutschen Filmpreis als Produzenten des internationalen Kinoerfolgs RHYTHM IS IT!.

2011 macht sich Andrea Thilo, Mutter von zwei jugendlichen Töchtern, im Bereich Moderation, Konferenzkonzeption und Training selbstständig, mit den Themenschwerpunkten Digitale Transformation, Zivilgesellschaft & Nachhaltigkeit, Kultur, Diversität & Bildung.

Der Preisträger

Als einer der weltweit führenden Immunologen hat Professor Dr. Thomas Boehm bahnbrechende Beiträge zu unserem Verständnis davon geleistet, wie das Immunsystem von Wirbeltieren funktioniert, wie es sich entwickelt und wie es sich während der Evolution verändert hat. Für seine vielfältigen Errungenschaften erhält er den mit 100.000 Euro dotierten Heinrich-Wieland-Preis 2021 der Boehringer Ingelheim Stiftung. Wie wichtig Grundlagenforschung wie die von Boehm ist, hat sich in den vergangenen 20 Monaten der Bekämpfung des Coronavirus deutlich gezeigt. Sein unkonventionelles Denken und seine innovativen Ansätze haben überraschende Einblicke in die Funktion unseres Immunsystems ermöglicht, die einen Paradigmenwechsel eingeleitet haben und sogar über die Immunologie hinausreichen. 

HWP-Verleihung (in englischer Sprache)

Pressemeldung

Mehr über Thomas Boehm (in englischer Sprache)

 

Heinrich-Wieland-Preis

Mit dieser internationalen Auszeichnung honoriert die Boehringer Ingelheim Stiftung herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt für ihre bahnbrechende Forschung zur Chemie, Biochemie und Physiologie biologisch aktiver Moleküle und Systeme sowie deren klinische Bedeutung.

Der mit 100.000 Euro dotierte Preis ist nach dem Nobelpreisträger Heinrich Otto Wieland (1877 – 1957) benannt und wird seit 1964 jährlich vergeben. Er zählt weltweit zu den bedeutendsten Wissenschaftspreisen, die von einer deutschen Stiftung verliehen werden. Unter den Preisträgerinnen und Preisträgern – ausgewählt von einem international besetzten wissenschaftlichen Kuratorium – sind vier spätere Nobelpreisträger.

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Boehringer Ingelheim Stiftung

Die Boehringer Ingelheim Stiftung ist eine eigenständige, gemeinnützige Stiftung, die sich der Förderung der medizinischen, biologischen, chemischen und pharmazeutischen Wissenschaft verschrieben hat.

Mit ihren Initiativen, Förderprogrammen und Wissenschaftspreisen setzt sich die Stiftung für exzellente natur- und lebenswissenschaftliche Grundlagenforschung ein. Eines ihrer wichtigsten Ziele ist es, den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die notwendigen Freiräume für herausragende Forschung zu schaffen.

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Berlin Science Week

Die Berlin Science Week ist ein 10-tägiges internationales Festival, das vom 1. bis 10. November die innovativsten Wissenschaftsorganisationen der Welt zusammenbringt, um die Wissenschaft zu feiern, Kontakte zu knüpfen und die lokale und internationale Wissenschaftsgemeinschaft mit der Öffentlichkeit zu verbinden.

Die Berlin Science Week verschafft Wissenschaft, Forschung und Innovation mehr Sichtbarkeit. Sie ist eine globale Plattform für den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, die zu einem besseren Verständnis unserer Welt führt.

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